Singen im falschen Fach

Einige Symptome ungesunder Stimmbehandlung:

  • Mit der Einatmung verkürzten sich die Muskeln von Nacken, Hals und Schulter und boten so dem Stimmapparat keinen „Anker“ bei Einsetzen der Gesangsstimme.
  • Mit Einsatz des Gesangs blockierte die Rippenmuskulatur inklusive des Latissimus so stark, dass eine Atemführung unmöglich war.
  • Gleichzeitig drückte sich die Bauchdecke nach außen.
  • Die Stimmbänder schlossen nur unter zusätzlichem Druck, der Kehlkopf drückte gegen die Zunge, und die Zunge nahm eine viel zu hohe Position in Rachen und Mundhöhle ein, was die Aussprache absurd veränderte.
  • Der Nacken kollabierte, und der Kopf zog nach oben und vor, ebenso der Kiefer, der rasch zu schlackern begann.
  • Dem weichen Gaumen blieb unter all dem Druck nichts anderes übrig, als nach vorne zu klappen.

Was kann getan werden? 

Hören oder Fühlen?

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In meinem Gesangstudio in Bremen eint eine schlechte Gewohnheit alle SängerInnen: Sie hören sich wahnsinnig gern selbst zu!

Diese Art zu üben oder zu singen hat Folgen für die Praxis wie für das Singen von Übungen. Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf der Bühne eines Theaters. Das Orchester befindet sich fünf Meter unter Ihnen. Der Dirigent ist 8 bis 10 Meter von Ihnen entfernt, hinter Ihnen Kulissen, über Ihnen der meterhohe Schnürboden und vor Ihnen die Weite des Auditoriums.

Das Orchester spielt, der Dirigent gibt Ihnen das Zeichen zum Einsatz, und Sie beginnen zu singen. Nach ein paar Schlägen erhalten Sie erste Signale vom Dirigentenpult, nicht zu schleppen. Wieder und wieder macht er Sie aufmerksam und treibt das Tempo voran.

Sie wundern sich und fragen sich, was das soll; denn nach Ihrer Auffassung machen Sie doch alles richtig. Man sagt: Im Theater lernt man, nach Schlag zu singen. Das ist ein Teil der Wahrheit. Viel wichtiger ist es, nicht nur nach Schlag zu singen, sondern aufzuhören, sich selbst zuzuhören!

In unserer Bühnenschilderung geht der Klang erst von Ihnen weg, und Sie überprüfen ihn dann von außen auditiv. Dieser Vorgang beinhaltet eine Zeitverzögerung, denn Ihr Klang legt ja einen gewissen Weg zurück, bis er wieder an Ihr Ohr gelangt. Diese „Klang-Zeit-Verzögerung“ führt dazu, dass Sie musikalisch „schleppen“.

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Singen in professionellen Chören

„Jetzt bitte zart und knabenhaft!“ oder „Nur weil wir hier in der Provinz arbeiten, müssen wir ja nicht so klingen.“ Kennen Sie diese oder ähnlich provozierende Zitate?

Der Chorist hat es nicht leicht. Da hat er Jahre seines Studiums damit zugebracht, seine Stimme zu wahrer Größe zu entfalten, gerät aus verschiedenen Umständen in ein Chorengagement an einem Opernhaus und sieht sich mit diesen und vielen anderen Forderungen konfrontiert.
Die Marktsituation hat sich in den letzten Jahren für SängerInnen derart zugespitzt, dass man einen professionellen Sänger mit gewerkschaftlich sicherem Chorvertrag eigentlich nur beglückwünschen kann. Wäre da nicht in den meisten Fällen ein unwissender Chordirektor oder Dirigent der, um es gerade heraus zu sagen, von der ausgebildeten Stimme häufig absolut keine Ahnung hat.

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