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Willkommen im Studio für Gesang

clemens

Basierend auf der schwedisch-italienischen Gesangstechnik nach David L. Jones, erlernen Sänger und Sängerinnen Atemtechnik, Stützfunktionen, gesunde Stimmführung und Atemführung, Atemreflexe, gesunder Stimmsitz, Vokalbehandlung, Umgang mit dem Passagio, Lagenausgleich, Legato und die natürlichen Körperfunktionen zu nutzen.

Große Stimmen zur vollen Entfaltung bringen

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor einem Jahr traf ich nach einem wundervollen Konzert Bryn Terfel und seinen Pianisten Malcolm Martineau in Bremen. Überraschend schnell sprachen wir recht privat miteinander, und im Nachhinein muss ich sagen, leider zu wenig über Gesang und Karriere.

Ich bin stimmlich mit den Aufnahmen von Terfel groß geworden, habe sie rauf und runter gehört und ihn als Falstaff an der Met erlebt. Es war immer eine große Freude.

Mich faszinieren bis heute besonders seine voll resonierenden Piani. Wie schafft es eine solch gewaltige Stimme, zart schmeichelnde Töne im Piano zu produzieren?

Man könnte meinen, dass eine große Stimme, wie die Stimme eines kraftvollen Helden-Tenors, eines dramatischen Soprans, Mezzos, Contraltos oder dramatischen Baritons durch besonders viel Kraft und Druck zur vollen Entfaltung gelangt oder dass Durchschlagskraft und überzeugende Power nur durch besonders große Anstrengung erlangt werden können.

Das Gegenteil ist der Fall.

Vor einiger Zeit hatte ich die Ehre, die schwedische Sopranistin  im dramatischen Fach Nina Stemme kennen zu lernen. Eine tolle Begegnung, nach der ich einer Probe zu Wagners „Die Walküre“ beiwohnen durfte.

Woher kommen diese, je nach Ausdruck mal warmen, durchweg silbrigen, metallischen und kraftvoll durchschlagenden Töne eines dramatischen Soprans?

Besonders auffällig und aktiv geht Stemme mit ihren Atemmuskeln um. Vor jedem Einsatz weitet sie ihren Brustkorb und behält diese Haltung über jede Phrase bei oder weitet den Brustkorb wiederum für einen extraordinär hohen Ton. Dadurch wird ein Überblasen der Stimmlippen verhindert und ein guter Stimmbandschluss gewährleistet. Die flexible Handhabung dieser Funktion ist ein Spezifikum der schwedisch-italienischen Gesangsschule. Überhaupt nutzt Nina Stemme ihren Körper wie ein Instrument und fragt ihm alles technisch Notwendige ab, um ihre besondere Qualität zu erreichen. Dabei wirkt sie stets souverän und unangestrengt!

Wie kommt es zu dieser wünschenswerten Mühelosigkeit?

Abgesehen vom wichtigen Kriterium der oben beschrieben Atemführung, sollten die Stimmbänder über die „thin edge function of the vocal folds“ – über ihre Randkante einschwingen.

Ein gesunder Stimmbandschluss erfolgt immer über die Randkante, egal in welcher Lage. Bei gut geführten Stimmen hört man eine Art „Klick“, wenn die Stimmfalten aufeinander treffen. Ein Indiz für ein präzises Aufeinandertreffen der Stimmfalten.

Eine Möglichkeit, den Vorgang des Zusammenkommens der Stimmbänder über die Randkante zu trainieren, ist folgende Übung auf einem zarten „U“:

2 – 1 – 2
U – U – U

Ausführung: Halbton für Halbton durch Ihr gesamtes Brust – und Kopfregister – Immer im Piano!

Beachten Sie bitte dabei, eine kleine, für den Vokal „U“ ovale Mundstellung einzunehmen und den Kiefer entspannt mit der Melodie nach hinten gleiten zu lassen.

Diese unaufwendige Übung erlaubt es Ihnen, den Vorgang sehr konzentriert zu begleiten. Kontrollieren Sie den körperlichen Vorgang des gleitenden Kiefers zur Visualisierung vor dem Spiegel. Sollte sich Ihr Kiefer nicht von selbst in die gewünschte Position begeben, helfen Sie ihm mit Ihren Händen nach.

Nachdem sich die Funktionsweise des „Zusammenklickens“ der Stimmbänder verbessert hat, lässt sich stimmlich weiter darauf aufbauen.

Die stimmtherapeutische Funktion dieser Übung kann eine große Wirkung entfalten.

Mit besten Wünschen!
Clemens Gnad

Singen im falschen Fach

Einige Symptome ungesunder Stimmbehandlung:

  • Mit der Einatmung verkürzten sich die Muskeln von Nacken, Hals und Schulter und boten so dem Stimmapparat keinen „Anker“ bei Einsetzen der Gesangsstimme.
  • Mit Einsatz des Gesangs blockierte die Rippenmuskulatur inklusive des Latissimus so stark, dass eine Atemführung unmöglich war.
  • Gleichzeitig drückte sich die Bauchdecke nach außen.
  • Die Stimmbänder schlossen nur unter zusätzlichem Druck, der Kehlkopf drückte gegen die Zunge, und die Zunge nahm eine viel zu hohe Position in Rachen und Mundhöhle ein, was die Aussprache absurd veränderte.
  • Der Nacken kollabierte, und der Kopf zog nach oben und vor, ebenso der Kiefer, der rasch zu schlackern begann.
  • Dem weichen Gaumen blieb unter all dem Druck nichts anderes übrig, als nach vorne zu klappen.

Was kann getan werden? 

Hören oder Fühlen?

In meinem Gesangstudio in Bremen eint eine schlechte Gewohnheit alle SängerInnen: Sie hören sich wahnsinnig gern selbst zu!

Diese Art zu üben oder zu singen hat Folgen für die Praxis wie für das Singen von Übungen. Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf der Bühne eines Theaters. Das Orchester befindet sich fünf Meter unter Ihnen. Der Dirigent ist 8 bis 10 Meter von Ihnen entfernt, hinter Ihnen Kulissen, über Ihnen der meterhohe Schnürboden und vor Ihnen die Weite des Auditoriums.

Das Orchester spielt, der Dirigent gibt Ihnen das Zeichen zum Einsatz, und Sie beginnen zu singen. Nach ein paar Schlägen erhalten Sie erste Signale vom Dirigentenpult, nicht zu schleppen. Wieder und wieder macht er Sie aufmerksam und treibt das Tempo voran.

Sie wundern sich und fragen sich, was das soll; denn nach Ihrer Auffassung machen Sie doch alles richtig. Man sagt: Im Theater lernt man, nach Schlag zu singen. Das ist ein Teil der Wahrheit. Viel wichtiger ist es, nicht nur nach Schlag zu singen, sondern aufzuhören, sich selbst zuzuhören!

In unserer Bühnenschilderung geht der Klang erst von Ihnen weg, und Sie überprüfen ihn dann von außen auditiv. Dieser Vorgang beinhaltet eine Zeitverzögerung, denn Ihr Klang legt ja einen gewissen Weg zurück, bis er wieder an Ihr Ohr gelangt. Diese „Klang-Zeit-Verzögerung“ führt dazu, dass Sie musikalisch „schleppen“.

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Singen in professionellen Chören

„Jetzt bitte zart und knabenhaft!“ oder „Nur weil wir hier in der Provinz arbeiten, müssen wir ja nicht so klingen.“ Kennen Sie diese oder ähnlich provozierende Zitate?

Der Chorist hat es nicht leicht. Da hat er Jahre seines Studiums damit zugebracht, seine Stimme zu wahrer Größe zu entfalten, gerät aus verschiedenen Umständen in ein Chorengagement an einem Opernhaus und sieht sich mit diesen und vielen anderen Forderungen konfrontiert.
Die Marktsituation hat sich in den letzten Jahren für SängerInnen derart zugespitzt, dass man einen professionellen Sänger mit gewerkschaftlich sicherem Chorvertrag eigentlich nur beglückwünschen kann. Wäre da nicht in den meisten Fällen ein unwissender Chordirektor oder Dirigent der, um es gerade heraus zu sagen, von der ausgebildeten Stimme häufig absolut keine Ahnung hat.

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